06 Umwelt
Wintervögel
Zwischen Fettreserve und Flugtauglichkeit
Nur die Hälfte unserer Rotkehlchen und Blaumeisen überlebt die kalte Jahreszeit. In harten Wintern schaffen es nur zwei von zehn Rotkehlchen bis zum Frühling. Wie können wir unseren Gartenvögeln helfen?
Energiebedarf in Frostnächten
Kleine Singvögel wie Kohl- oder Blaumeisen wiegen nur etwa 12 g und verlieren in einer Winternacht 10 bis 15 Prozent ihres Körpergewichts. Die buchstäblich federleichten Tiere müssen die ganze Nacht „durchheizen“, um nicht zu erfrieren. Große Fettreserven können sie sich dabei allerdings auch nicht leisten – denn wer „zu fett“ ist, kann bei Gefahr nicht flüchten oder verbraucht im Flug zu viel Energie.
Tödliche Ruhestörung
Die Balance zwischen zu viel und zu wenig Körperfett ist bei unseren Wintervögeln „auf Kante genäht“ – es gibt kaum Reserven für unvorhergesehene Ereignisse. Wer beispielsweise des Nachts vom Schlafplatz hochgescheucht wird, verbraucht zusätzlich viel Energie. Schlimmstenfalls reicht der Rest dann nicht, um die Körpertemperatur aufrechtzuerhalten, bis die Sonne wieder aufgeht.
Größere Vögel wie Enten oder Gänse können Fettreserven für einige Tage aufbauen. Werden sie allerdings oft aufgescheucht, etwa durch Hunde, verringern sie ihre Fettreserven, um besser auf die Flucht vorbereitet zu sein.
Enten, die oft gestört werden, wiegen bis zu 16 Prozent weniger als solche an ruhigen Rückzugsorten. Zum Vergleich: Ein 70 kg schwerer Mensch müsste mehr als 11 kg abnehmen, um 16 Prozent weniger zu wiegen! Diese Fettreserven fehlen den Tieren, um mit der Witterung zurechtzukommen.
Frühstück rettet Leben
Nach einer langen Frostnacht liegen Vögel energetisch am Limit. Das erste Futter bei Sonnenaufgang entscheidet oft über das Überleben für den Tag. Eine verlässliche Futterquelle sichert eine schnelle Energieaufnahme ohne zusätzlichen Stress bei der Suche.
Du kannst Deinen Wintervögeln mit geeignetem Fettfutter helfen. Wichtig: Die Futterquelle muss verlässlich sein und jeden Tag gesäubert werden. Das Futter darf nicht nass werden und die Stelle muss sicher vor Katzen und anderen Räubern sein. Ausführliche Tipps zur Winterfütterung findest Du beispielsweise beim NABU.
Schon gewusst?
Aufscheuchen endet oft tödlich
„Der Hund will doch nur spielen“ oder „die Katze fängt eh keinen Vogel“ sagen manche Tierbesitzer:innen. Fakt ist aber: Für Wildtiere am Limit ist jede Störung lebensgefährlich. Jeder Fluchtflug verbraucht drei- bis viermal so viel Energie wie normales Fliegen. Besonders kritisch sind die frühen Morgenstunden. Dann sind die Fettreserven fast aufgebraucht – und ohne sofort verfügbare Nahrung sinkt die Überlebenschance drastisch. Auch die Silvesternacht ist ein lebensgefährlicher Stressfaktor für die Wildtiere.

