02 Ernährung
Saftkuren können
schaden

Im Frühling suchen viele nach einem Neustart – auch in Sachen Ernährung. Saftkuren sollen beim „Entschlacken“ helfen. Ist das sinnvoll? Eine neue Studie der Northwestern University in den USA belegt negative Auswirkungen auf die Darmflora. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät aus anderen Gründen von reinen Saftkuren ab.
Die „falschen“ Bakterien gefördert
Saftkuren gelten als beliebte Methode zur „Entgiftung“ und Gewichtsreduktion. Eine aktuelle Studie der Northwestern University (Illinois, USA) findet allerdings Nachteile für den Stoffwechsel: Wer über Tage hinweg ausschließlich Säfte konsumiert, riskiert eine ungünstige Veränderung des Mikrobioms – also der natürlichen Bakteriengemeinschaften in Mund und Darm. Das Forschungsteam untersuchte, wie sich drei verschiedene Ernährungsweisen auf das Mikrobiom auswirken. Untersucht wurden: eine vollwertige pflanzliche Ernährung, eine Kombination aus Vollwertkost und Säften sowie eine rein saftbasierte Ernährung – jeweils für 3 Tage.
Das Ergebnis: Besonders in der reinen Saftgruppe nahmen schon während dieser kurzen Zeit entzündungsfördernde Bakterien zu – vor allem im Mund, aber auch im Darm. Dort zeigten sich vermehrt Bakterienarten, die mit Entzündungen, einer erhöhten Darmdurchlässigkeit und mit kognitiven Einschränkungen in Verbindung gebracht werden.
Saft ist keine Vollwertkost
Die Forschenden führen diese Effekte auf zwei zentrale Faktoren zurück: den hohen Zuckergehalt und den Mangel an Ballaststoffen in Säften. Beides sind bekannte Einflussgrößen für das Mikrobiom. Die Studie fand allerdings eher geringe Effekte – wohl auch aufgrund der kurzen Laufzeit von wenigen Tagen. Nach der Rückkehr zu einer normalen Ernährung regenerierte sich das Mikrobiom der Versuchsteilnehmer:innen schnell.
Entschlackung ist ein Mythos
Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) äußert sich kritisch: Saftkuren könnten zu einer Überversorgung mit bestimmten Vitaminen führen, während gleichzeitig wichtige Nährstoffe wie Eiweiß und Fett fehlen. Die oft behauptete „Entgiftung“ sei wissenschaftlich nicht belegt, der Gewichtsverlust beruhe meist nur auf einer reduzierten Kalorienzufuhr – mit dem Risiko eines anschließenden Jo-Jo-Effekts.

Fazit: Lieber nicht!
Säfte sind nicht grundsätzlich ungesund – im Gegenteil: Als zusätzlicher Bestandteil einer ausgewogenen, ballaststoffreichen Ernährung können sie nützlich sein. Wer jedoch ausschließlich Säfte trinkt, kann sein Mikrobiom aus dem Gleichgewicht bringen und riskiert langfristig negative gesundheitliche Folgen. Wer einzelne Fastentage mit Saft unterstützen möchte, setzt auf zuckerarme Säfte auf Gemüsebasis, etwa mit Gurke und Sellerie.

