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07 Wissen

Wie KI funktioniert

Mehr Nachahmer als Denker

Künstliche Intelligenz (KI) schreibt Texte, beantwortet Fragen, komponiert Musik. Doch was nach kreativem Denken aussieht, ist in Wahrheit Mathematik und ein raffiniertes Nachahmen menschlicher Sprache und Logik. Wie funktioniert dieses System? Und warum wirkt es trotzdem so verblüffend „intelligent“?

Wir erleben es täglich: Wir stellen einer künstlichen Intelligenz eine komplexe Frage – sei es nach einem Kochrezept, den Ursachen der Französischen Revolution oder konkreten Reisetipps für die nächste Urlaubsreise – und Sekunden später erhalten wir eine erstaunlich stimmige, gut formulierte Antwort. Das fühlt sich oft wie Magie an.

Künstlich intelligent oder statistisch genial?

Aber was passiert wirklich „unter der Haube“, wenn wir die Anfrage senden? Zusammengefasst ist KI eine unglaublich leistungsfähige Mustererkennungs- und Vorhersagemaschine. Eine gut trainierte KI lernt statistische Zusammenhänge und ist eine riesige Ansammlung von Zahlen, die die statistische Wahrscheinlichkeit abbilden, wie Wörter und Konzepte zueinander in Beziehung stehen. Die „Magie“ der KI ist kein übernatürliches Verständnis, sondern die schiere Rechenleistung, die Milliarden von gelernten Textmustern durchsucht, um das wahrscheinlichste nächste Wort zu finden.

Stellen wir also eine Frage, wird diese in winzige Wortbausteine (Tokens) zerlegt. Es werden ähnliche Muster erkannt und für jedes mögliche nächste Wort die Wahrscheinlichkeit berechnet. Die wahrscheinlichste Wortfolge ergibt Satz für Satz die Antwort. So lange, bis eine statistisch logische Kette abgeschlossen ist.

Schwächen von KI

Dieses Wort-für-Wort-Wahrscheinlichkeitssystem erklärt auch die Schwächen der KI. Eine KI versteht die Fragen oder Eingaben nicht. Wenn die Datenlage zum Beispiel dünn ist, halluziniert die KI und füllt die Lücken nach der Wahrscheinlichkeitsmethode. Wahrscheinlich ist eben nicht gleich wahr. Dadurch kommt es vor, dass die KI Dinge erfindet oder veraltete Informationen liefert.

Darum bleibt der Mensch unverzichtbar – zum Prüfen, Einordnen und Nachdenken.

Bitte lieber unhöflich!

Kennt man die Mechanik hinter KI, wird klar, dass auch jedes „Danke“ Energie verbraucht. Denn die vermeintliche Höflichkeit wird wie jede andere Anfrage verarbeitet; sie löst also den gesamten Prozess der KI-Verarbeitung aus. Jedes zusätzliche Wort verbraucht zusätzlichen Strom. Neuere Versionen weisen bereits darauf hin. Zwar kann man den Stromverbrauch der digitalen Höflichkeit nicht exakt berechnen, aber man schätzt, dass er mit dem Verbrauch mehrerer tausend Haushalte im Jahr gleichzusetzen ist. Aus Energiespargründen sollte man deshalb bitte darauf verzichten.
Danke!

Auf einen Blick

1. Du stellst eine Frage.
Die KI zerlegt sie in winzige Sprachbausteine (Tokens).

2. Die KI sucht Muster.
Aus Milliarden Beispielen berechnet sie, welche Wörter wahrscheinlich zusammengehören.

3. Sie baut eine Antwort.
Wort für Wort entsteht ein Text, der logisch klingt – ganz ohne echtes Verständnis.

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