01 Titelthema
Das Geheimnis der Hyaluronsäure
Zucker für schöne Haut und gesunde Gelenke?
Hyaluronsäure polstert die Haut und schmiert die Gelenke, heißt es. Wie kommt eine Kette von Zuckermolekülen zu solchen Superkräften? Dein Körper kann Hyaluronsäure übrigens selbst herstellen – und Du kannst ihm dabei helfen. Die Einnahme von Hyaluronsäure kann auch dann unterstützend wirken, wenn die Eigensynthese nachlässt.
Ein Wasserspeicher im Gewebe
Chemisch besteht Hyaluronsäure aus sich wiederholenden Zuckerbausteinen, die zu langen Ketten verbunden sind. Diese Ketten sind stark wasseranziehend. Man kann sie sich wie feine, flexible Fäden vorstellen, an denen sich Wasser anlagert. Dadurch entsteht ein gelartiges Netzwerk.
Dieses Gel füllt die Zwischenräume zwischen den Zellen, die sogenannte extrazelluläre Matrix. Sie wirkt wie ein elastisches Polster, das Gewebe stabilisiert und gleichzeitig beweglich hält. In der Haut sorgt Hyaluronsäure dafür, dass Wasser gebunden bleibt. Sie bildet dann ein natürliches Polster und wirkt Hautfalten entgegen. Gut hydratisiertes Gewebe ist außerdem elastischer und widerstandsfähiger gegen mechanische Belastung. In der Wundheilung spielt Hyaluronsäure ebenfalls eine Rolle, weil sie ein feuchtes, strukturgebendes Milieu schafft, in dem Zellen wandern und sich vermehren können.


„Eine gute Hydration könnte das Altern verlangsamen und die gesunde Lebensspanne verlängern.“
Dr. Natalia Dmitrieva, National Heart, Lung, and Blood Institute (NIH)
Läuft wie geschmiert
In den Gelenken ist Hyaluronsäure Hauptbestandteil der Synovialflüssigkeit, der Gelenkschmiere. Für diesen Job sind ihre besonderen physikalischen Eigenschaften ausschlaggebend: Bei schnellen Scherbewegungen, wie etwa beim Laufen, wird Hyaluronsäure weniger zähflüssig. Das verringert die Reibung zwischen den Gelenkflächen. Bei eher statischer Belastung bleibt sie viskos und dämpft die Druckbelastung.
Ungewöhnlicher Produktionsort
Die meisten größeren Moleküle – etwa Eiweiße oder viele komplexe Zuckerketten – werden im Inneren der Zelle aufgebaut, vor allem in zelleigenen Produktionsstätten (dem endoplasmatischen Retikulum), und durch das körpereigene Versandzentrum (Golgi-Apparat) transportiert.
Hyaluronsäure entsteht dagegen an der Zellmembran, also der äußeren Hülle der Zelle. Innerhalb der Zellen ist kaum Platz für die sperrigen Gebilde – der Zusammenbau findet deshalb „draußen“ statt.
Spezielle Enzyme arbeiten wie winzige Strickmaschinen, die in der Zellmembran verankert sind. Auf der Innenseite der Membran liegen die beiden aktivierten Zuckerbausteine bereit, aus denen Hyaluronsäure besteht. Das Enzym fügt sie abwechselnd aneinander und verlängert so die Kette. Dabei wird sie durch die Membran nach außen geschoben. Das fertige Polymer entsteht direkt im Zwischenraum zwischen den Zellen. Dadurch gelangt Hyaluronsäure ohne Verpackungsschritt direkt in das Gewebe zwischen den Zellen. Dort entfaltet sie ihre wasserbindende Wirkung und bildet ein gelartiges Netzwerk.
Polstern und stützen
Hyaluronsäure kann das Tausendfache des eigenen Gewichtes an Wasser „aufnehmen“, d.h., wenige Gramm Hyaluronsäure binden mehrere Liter Wasser. Der Körper eines 70 kg schweren Menschen enthält durchschnittlich etwa 15 g Hyaluronsäure. Wasser lässt sich kaum zusammendrücken, daher bildet die wässrige Gelmatrix einen stabilen und trotzdem flexiblen Puffer. Die spezifischen Eigenschaften der Hyaluronsäure im Gewebe werden von der Kettenlänge der Megamoleküle bestimmt – sie können aus 250 bis 50.000 Einheiten bestehen.
Hyaluronsäure essen?

Große Moleküle werden auf dem Weg durch den Körper zerlegt, damit sie aufgenommen werden können – das gilt auch für Hyaluronsäure. Studien zeigen aber, dass oral aufgenommene Hyaluronsäure einen Einfluss auf den Hyaluronstoffwechsel hat und den Zusammenbau neuer Riesenmoleküle fördert. Das erklärt, warum sich die Effekte der Hyaluronaufnahme auch konkret in Haut und Gelenken messen lassen.

